Tanztheater
Juni 22, 2008
Aus diversen quergelesenen Kreativitäts- und Selbstmanagementratgebern weiß ich, man soll zwecks Horizonterweiterung auch mal Bücher lesen, von deren Inhalt man vermutet, dass er einen nicht interessiert, und man soll auch mal zu Veranstaltungen gehen, über deren Besucher man üble Vorurteile hegt.
Also Tanztheater! Meine stärkste Assoziation zu diesem Wort sind Harald Schmidt und Herbert Feuerstein, die in hautengen Ganzkörperanzügen gegen weiße Wände trommeln.
Eine völlig leere (allerdings graue) Bühne lässt mich das Schlimmste erwarten. Eine nahezu unbekleidete Dame läuft mit Flip-Flops an den Füßen in eine Ecke, kniet nieder, verharrt bewegungslos, steht auf und verlässt die Bühne wieder.
Das Stück dauert 70 Minuten, nach gut der Hälfte flüchten die ersten Zuschauer. Die haben zwar einen Mann mit Mausohren über den Boden hüpfen sehen, verpassen aber den Tänzer mit Eselmaske, der vorgibt, einen Plastikblumenstrauß zu verspeisen sowie zwei weitere Ensemblemitglieder, die minutenlang einen Kreidestrich beleuchten. Zum Ende hin bewegen sich die Darsteller derart über die Bühne, dass sich die Vermutung aufdrängt, der Choreograph sei ein Fan des Monty-Python-Sketches Ministry of silly walks.
Das Erschreckenste an der ganzen Veranstaltung: Ich hab mich keine Minute gelangweilt. Beruhigend: Die Message ist trotzdem an mir vorbeigegangen.