Public Viewing

By zweierkomplement

Was tut der Fußballfan, wenn die deutsche Mannschaft in der Todesgruppe B das entscheidende Spiel gegen den Angstgegner Österreich vor sich hat? Natürlich, er begibt sich zum public viewing in die Gesellschaft von Leidensgenossen, um gebannt dem Treiben auf dem Rasen zu folgen und um Erfolg und Niederlage nicht allein feiern oder erleiden zu müssen.

So weit die Theorie. In der Praxis war ich umringt von Menschen, die sich für kaum etwas weniger interessiert haben als für das Fußballspiel, sich aber dafür begeistern konnten, mit Deutschlandfahnen die Leinwand zu verdecken und auf Geheiß der Animateur-Stimmungskanone (den alten Fußballklassiker?) „Humpa-humpa-humpa-tätärä“ zu grölen oder wahlweise aus eigenem Antrieb die Gegner zu beleidigen.

Der nachfolgende Autokorso, der sich mehr nach Titelgewinn als nach einem 1(!):0-Sieg über Österreich(!) anhörte, zementierte meinen Eindruck, dass es egal ist, ob auf der öffentlichen Leinwand die Europameisterschaft im Fußball oder im Murmelspiel gezeigt wird.

Public viewing für mich nur noch bei Knüllerspielen wie Färöer gegen San Marino.

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